08. Januar 2012

Lesestoff für leise Menschen

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Manche Dinge sind erstaunlich. In jedem Persönlichkeitstest finden wir eine Unterscheidung, die offensichtlich wichtig ist:
Sind wir extravertiert (also wörtlich “nach außen gerichtet”) oder introvertiert (also “nach innen gerichtet”)? Doch welche Folgen dieser “kleine Unterschied” in der Kommunikation hat: Das bleibt undeutlich – besonders für Introvertierte, die oft sogar als defizitär dargestellt werden. Deshalb spreche ich lieber von leisen Menschen.

Nehmen wir einmal an, Sie sind ein leiser Mensch. Und nehmen wir außerdem an, Sie wollen einmal genauer wissen, wie Sie Ihre persönlichen Stärken im Gespräch mit anderen einsetzen können – oder auch, wie Sie mit Ihren Bedürfnissen und Ihren Schwierigkeiten umgehen, wenn es zum Beispiel darum geht, einen Vortrag zu halten oder neue Menschen kennenzulernen.

Viele Intros mögen es, solchen Fragen beim Lesen nachzugehen. Schriftliches liegt ihnen meist. Doch es gibt kein spezielles deutschsprachiges Kommunikationsbuch für leise Menschen. Deshalb habe ich eines geschrieben. Und am 1. Februar erscheint es!

 

Das Inhaltsverzeichnis und die ersten Seiten können Sie hier einsehen. Ich habe mich für eine Mischung entschieden: Grundsätzliche Informationen (Was ist ein leiser Mensch? Was kann er? Was braucht er?) führen zu praktischen Anwendungsmöglichkeiten (Wie lebt es sich gut mit einem extrovertierten Partner? Wie kann ein leiser Mensch artgerecht netzwerken? Wie punkten Intros in Diskussionen und Verhandlungen?). Vor allem aber ist “Leise Menschen” eines: ein Arbeitsbuch, das leisen Lesern über Fragen und Hinweise einen Weg zeigen will: den zu sich selbst.

Wer sich lieber (oder außerdem) in einem Sachbuch über die psychologischen und soziologischen Grundlagen introvertierter Persönlichkeitsmerkmale informieren will, dem empfehle ich Susan Cains aus dem Amerikanischen übersetztes Buch “Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt”.

 

Kürzer ist der vor einem Jahr erschienene Titelbeitrag “Die Stillen im Lande” von Anna Roming in der Zeitschrift Psychologie Heute (38. Jahrgang, Januar 2011,  Heft 1, Seite 20-27).

Zusammen mit meinem Buch erscheint im Februar bei Gabal ein Buch, das die amerikanische Autorin Devora Zack speziell zum Thema  Netzwerken für Introvertierte geschrieben hat:

 

Für all diejenigen, die digitale Ressourcen mögen: Meine neue Website leise-menschen.com ist fast fertig. Dort finden Sie in etwa zwei Wochen mehr zu leiser Kommunikation – unter anderem einen ausführlichen Test mit Online-Auswertung.

Ich freue mich sehr auf  den Austausch über leises Leben – und über das Zusammenspiel mit unseren extravertierten Partnern, Freundinnen, Kollegen und Vorgesetzten. Es ist an der Zeit, finde ich: Die Hälfte der Menschheit ist introvertiert!

 


20. Dezember 2011

Leise Momente: 15 kleine Oasen der Ruhe für die Feiertage

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Weihnachten kommt – und mit dem Fest für manchen leisen Menschen auch zu viel Unruhe, Überstimulation und zu austauschwütige Verwandte. Kleine Momente der Ruhe helfen dann, den Energiepegel ebenso wie die innere Balance zu sichern. Und so ermöglichen sie letztlich auch Begegnungen, die diesen Namen verdienen. Hier sind meine 15 Rezepte:

  1. Neben einem schlafenden Tier oder einem schlafenden kleinen Kind sitzen. Auf ihren Atem hören.
  2. Vor den anderen aufstehen und zum Frühstück Muffins backen.
  3. Eine halbe Stunde Yoga zwischendurch im Schlafzimmer.
  4. Einen Spaziergang über den Friedhof machen und auf einem Grab der Wahl eine Kerze aufstellen.
  5. Auf das letzte Blatt des Jahreskalenders in Stichpunkten aufschreiben, was Dich im letzten Jahr besonders beschäftigt hat – und wofür Du dankbar bist. (Geht auch auf dem iPod.)
  6. He Shall Feed His Flock aus Händels Messias hören. Gegebenfalls mit Kopfhörer.
  7. Mit Kamera oder Handy Porträts aus dem Off machen.
  8. An einem Fluss oder See Steinchen werfen.
  9. Die Katze der Nachbarn während deren Weihnachtsurlaub versorgen.
  10. Kochen. Das Hantieren und die entpannten Gespräche in der Küche tun gut.
  11. Einen Brief an jemand in weiter Ferne schreiben. Mit Tinte.
  12. Die Lieblingsstrecke joggen.
  13. Mit einem Heißgetränk im Isolierbecher in einem der fast leeren Busse durch die Stadt fahren.
  14. Einer alten Dame, die selten Besuch bekommt, Weihnachtsgebäck bringen und ein wenig bei ihr sitzen.
  15. Das Wellness-Geschenkpaket mit einem Vollbad antesten.

Wer hat noch weitere bewährte Oasenorte?


13. November 2011

Papademos und Monti – leise Krisenmanager

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung porträtiert heute die beiden neuen Ministerpräsidenten in  Griechenland und Italien. Lukas Papademos und Mario Monti haben offensichtlich vieles gemeinsam: Sie sind hochintelligent. Sie haben für ihre ökonomische Ausbildung ausgezeichnete Lehrer gewählt, die beide später den Nobelpreis erhielten. Sowohl Papademos als auch Monti wurden früh Professoren und gelten als Wirtschaftsexperten.

Doch am interessantesten finde ich die Parallelen in den persönlichen Merkmalen:
Papademos wie Monti meiden den offenen Schlagabtausch und scheinen eher sach- als machtorientiert zu sein. Sie gelten beide als diszipliniert, fleißig – und auch als distanziert und Menschen mit wenigen Freunden.

Zwischen den Zeilen entsteht hier das Bild zweier leiser Menschen. Sie sind es nun, die in einer Zeit zur Macht berufen werden, die gute  Krisenmanager verzweifelt dringend und drängend braucht. Was befähigt besonders leise Menschen dazu, diese schwere Aufgabe zu bewältigen? Aus meiner Sicht helfen ihnen vor allem zwei Stärken:

Erstens können leise Menschen leichter als Extrovertierte die Sache vor die Person stellen und entsprechend handeln: konzentriert und auf das Wesentliche bezogen, eher nach sachlichen Notwendigkeiten als nach Kriterien des Machterhaltes und der Popularität. Sie sind weniger darauf angewiesen, selbst im Mittelpunkt zu stehen.

Zweitens sind leise Menschen – das lässt sich sogar neurobiologisch nachweisen – eher sicherheitsorientiert, während Extrovertierte eher auf Stimulation und Belohnung ausgerichtet sind. (Dies muss nicht so ausgeprägt sein wie bei Montis Vorgänger…)

Wir leben in einer politischen und wirtschaftlichen Situation, die Sachorientierung, Vertrauensbildung und Sicherheitsstreben zu hochattraktiven Eigenschaften macht. Genau diese können leise Menschen glaubwürdig vermitteln – besonders dann, wenn sie auch noch sehr kompetent sind.

Doch es gibt auch Schwierigkeiten, mit denen viele leise Führungspersönlichkeiten zu ringen haben.

Die erste und wohl größte Herausforderung ist die Überzeugungskraft. Wie werden es Papademos und Monti schaffen, starke Koalitionen hinter sich zu sammeln, visionäre Stärke zu entwickeln und Menschen zum Handeln (und zu Opfern) zu bewegen? Wie gut werden sie politische Partner und die eigene Bevölkerung motivieren und zu neuen Wegen zu ermutigen – in einer Zeit, in der die meisten frustriert, zornig oder sogar zynisch sind?

Zweitens sind Krisenzeiten auch Konfliktzeiten. Konfliktsituationen sind bei leisen Menschen unpopulär und werden gern gemieden. Dies ist innen- wie außenpolitisch aber gerade so gut wie unmöglich: Beide Ministerpräsidenten werden sich vor allem als Konfliktmoderatoren bewähren müssen und zwischen verschiedenen Lagern und Interessen zu vermitteln haben.

Ich bin gespannt, wie Papademos und Monti ihre neuen Positionen ausfüllen werden.
Alle guten Wünsche für zwei kluge, leise Menschen!


14. September 2011

Leise? Wieso leise?

Seit gestern twittere ich nicht nur unter meinem Namen, sondern auch unter dem Account @LeiseMenschen.
Zeit für eine Erklärung: Was bringt mich zu diesem Thema? Und was ist das Thema überhaupt?

Wie so manches Neue begann auch diese Geschichte mit Ärger.
Ich ärgerte mich in meinen Weiterbildungen, wenn extrovertierte Referierende ihre Art der Kommunikation für allgemeingültig oder überlegen hielten (mein Lieblingsantibeispiel: große Bewegungen!).
Ich ärgerte mich, wenn die introvertierten Menschen, mit denen ich so gern arbeite, diese Botschaften mit sich herumschleppten und sich selbst als unterlegen bewerteten: sei es beim Präsentieren, beim Verhandeln oder beim Aufbau von Kontakten.

Beide Ärger-Anlässe entsprechen nicht den Tatsachen.
Erstens: Introvertierte Stärken in der Kommunikation unterscheiden sich von denen extrovertierter Menschen.
Zweitens: Introvertierte sind genauso gut und erfolgreich in ihren Auftritten und Gesprächen – vorausgesetzt, sie kennen ihre Stärken wie ihre Hürden und handeln danach.

Viele der erfolgreichsten, klügsten und einfallsreichsten Menschen auf diesem Planeten sind leise Menschen.
Sie fallen nur nicht so auf.

Um wieder auf den Ärger zurückzukommen: Sich zu ärgern ist nur dann sinnbehaftet, wenn die freigesetzte Energie dann auch zu etwas gut ist. Ich habe meine genutzt, um ein Buch zum Thema zu schreiben, das bald erscheinen wird. Und ich nutze sie, um über leise Kommunikation zu informieren: zum Beispiel hier und auch auf Twitter, eben unter @LeiseMenschen.

Es ist an der Zeit. (Fortsetzung folgt…)


11. Juni 2011

From ‘THREES’ to ‘TRES’: Essential ingredients in a presentation

This is my first guest blog entry: Please welcome John Kluempers, Ph.D., aka @johnkluempers ! John is not only textATRIUM’s skillful leader in all matters smelling like scientific presentation – he is also my husband of whom I am still verrry convinced after 15 years. What I want to say is: He is really good. I mean, he is able to both live AND work with me!

This is what John says:

This week I attended a comedy workshop to find out what humor elements and techniques I could possibly integrate into my own presentations and seminars for budding scientists. I don’t know how much humor I’ll put into my workshops, but the comedy writer Mel Helitzer’s ‘THREES’ parameters (there are six of them in fact) got me thinking. They are as follows:

Target

Hostility

Realism

Exaggeration

Emotion

Surprise

In any sketch, any joke, any routine, these six elements have to be present for the comedy to have its intended effect – namely, to be funny. Monty Python were the masters of ‘THREES,’ as can be seen in one of the first scenes from ‘Life of Brian.’ (In fact, any Monty Python scene fulfils the THREES criteria.)

ALL the elements that Helitzer preaches for comedy, certainly don’t work for a keynote speech, a PowerPoint presentation to your boss, or presenting the newest results from your research. Both hostility and exaggeration can greatly detract from your likeability and credibility. In a more formal setting where your profession (and not your stand-up prowess) is on the line, hostility and exaggeration should be left out, leaving us with this list.

Target

Hostility

Realism

Exaggeration

Emotion

Surprise

We are conveniently left with the ‘TRES’ parameters: the basic ingredients for VERY good (hello, French community!) presentations.

These four remaining parameters can be split into two kinds: the rational variety (target, realism) and variety of feeling (emotion, surprise).

Let me start with the rational variety. How should we understand the target? Quite simply, every presentation must have a single, misunderstandable meaning, or what is known in the parlance as the take-home message. This could be finding a cure to a disease, developing a better logistics plan, or earning more money. And although the message can be quite rational to the point of being dry, it by no means must be devoid of feeling. Human nature is emotive.

Realism: This is obvious. The listener must be able to follow the presentation. She mustn’t think something is being withheld or is not achievable. If you have a gut feeling that what the speaker tells you doesn’t hold water, then it likely lacks realism. (Click here)

These first two parameters appeal to the left hemisphere of our brain. You know, the one we think with analytically. The one that likes facts. Data. Numbers.

However, if the rational model, like homo oeconomicus for example, was so foolproof, why do we experience economic bubble after economic bubble? Because far too often we don’t pay attention to the right cerebral hemisphere. This part of our brain is concerned about aesthetics and is in touch with our emotions. We see what others are doing and jump in, even if good ol’ common sense tells us we are making a mistake. We like something that is more expensive, but looks good (an Apple iPod. Click here for Steve Jobs’s introduction of the very first one. And be amazed how little thrilled us then). Even though we know quite well that a run of the mill copy would cost just a fraction and more or less do the same thing – play back music. Apple gadgets generate emotion. People feel good when they have one, so they buy it.

Presentations, like Apple products, generate emotion. Even if it is one of boredom. But other emotions, like happiness, excitement, even fear, keep us riveted. We want to hear the solution to a problem. We want to know about the cure to a disease. We want to find out what’s behind a door. Every speaker must be aware of feelings, and while not manipulating emotions, must bring emotion, at least their own enthusiasm, into a presentation.

Finally, it is surprises that keep your audience on the edge of their seats, activate their minds, and, if tied in correctly, help them remember your message better. Your listeners probably have certain expectations. You have something that contradicts these assumptions. Or maybe YOU had certain expectations and discovered just the opposite. Let your audience know this, particularly if they don’t possess deep knowledge over your subject.

By keeping these four parameters in mind – target, realism, emotion, and surprise – you’ll find your future presentations reach a higher level. You’ll be far more successful. Your audience will be more appreciative and not want to do this.


22. April 2011

Artgerechte Haltung für Menschen: Fazit nach acht Monaten

Nach meinem Beitrag zum Muckibudenzauber haben viele Blogleser genauer nachgefragt, wie ich das genau mache mit der Ernährung und der Bewegung – und ob wirklich beides gleich wichtig ist. Nun bin ich keine Biochemikerin und keine Fitness-Expertin, und auch das Thema dieses Blogs ist ein anderes.

Aber hey – wenn es anderen hilft, was ich hier aufschreibe, wenn es sie auf neue Ideen und zu einem freundlicheren Verhältnis zu ihrem Körper bringt, dann ist das ein klarer Fall von gelungener Kommunikation: mein Thema! Außerdem habe ich während meines Selbstversuchs vieles nachgelesen und nachgefragt. Die Ergebnisse teile ich hier gern – und es passt ja auch gut ins Ende der Fastenzeit, dieses Thema!
Hier also die

Gebrauchsanleitung für den menschlichen Körper:
Die Super-Duper-Einfachversion in 10 Punkten

  1. Jeder Körper ist einzigartig: Es gibt kein allgemeines Rezept für einen starken, schlanken Körper, das für alle funktioniert. Sie können aber herausfinden, was für Sie persönlich funktioniert: was Sie gut verdauen können, wie viel und welche Art von Bewegung Ihnen gut tut.
  2. Dennoch scheint es eine für Menschen insgesamt artgerechte Ernährung zu geben, die zu mehr Energie und einem gesunden Maß an Körperfett führt. Wie viel Körperfett das in Ihrem Fall ist, hängt wieder von Ihrem individuellen Typ ab. Mein Mann hat den Körper eines Marathonläufers. Ich nicht. Das Leben ist nicht fair.
  3. Eine artgerechte Ernährung ist wichtiger als eine erhöhte Bewegungsleistung. Artgerecht bedeutet, dass
    - unser Körper genügend Nährstoffe und Energie zur Verfügung hat, und dass er
    - diese Energie nicht als Fett in die gleichnamigen Fettzellen stopft, anstatt sie in Muskelkraft, Hirnleistung oder andere schöne Dinge umzuwandeln.
  4. Diese Ziele lassen sich am leichtesten dadurch erreichen, dass Sie die Aufnahme von Zucker und Stärke deutlich reduzieren. Beide scheinen so eine Art menschliches Mastmittel zu sein: billig, gern gefuttert und Lieblinge der Fettzellen.
  5. Wenn Sie das für sich selbst testen wollen, machen Sie (na gut, nach Ostern!) ein kleines Experiment: Lassen Sie einen Monat lang abends und nur abends alles Süße und alles krass Stärkehaltige weg: Schokolade, alles Schleckerzeug, Kuchen, Gebäck, aber auch Kartoffeln, Brot, Reis, Mais, Chips und ja, auch Pasta und Pizza. Außerdem Cocktails, Fruchtsäfte, Limos und andere zuckerhaltige Getränke. Und Bier. Sorry.
    Essen Sie stattdessen abends Gemüse zusammen mit Eiweiß: Tofu, Ei, Käse, Fisch, Para- oder Macademianüsse, Krustentiere, Geflügel oder auch Fleisch. Ihre Muskeln brauchen das.
  6. Essen Sie in dieser Zeit nur drei Mahlzeiten, die mindestens vier Stunden Abstand voneinander haben sollten. Essen Sie so lange, bis Sie angenehm satt,  aber nicht vollgestopft sind. Das finden Sie am besten heraus, wenn Sie beim Essen weder lesen noch fernsehen oder twittern.
  7. Der Effekt der beiden Maßnahmen aus 5. und 6.: Ihr Körper holt sich mehr Energie aus den Fettzellen, vor allem nachts. Die tun ihrerseits das, was wir uns von ihnen wünschen: Sie schrumpfen.
  8. Bewegen Sie sich, wenn Sie Lust und Energie dazu verspüren. Die Reihenfolge ist logisch: Erst muss die Energie in die Muskeln, dann wollen wir uns bewegen. Wenn wir sie umdrehen, passiert zweierlei: Wir werden hungriger, und wir sparen die Bewegung woanders wieder ein. Ansonsten sind Kardio- und Muskeltrainings gesund – sie machen uns allein eben nur nicht dünner!
  9. Die meisten Menschen verlieren auf diese Weise Fett und gewinnen Kraft. Die Herausforderung besteht in der Konsequenz aus Punkt 1: Es gilt herausfinden, wie viel Stärke und Zucker Sie persönlich verarbeiten können, ohne dicker und schlapper zu werden. Mein Mann kann zum Beispiel Berge von Nachos, Pasta und Schokolade vertilgen und verbrennt alles. Tja. Grrr.
  10. Wenn die neue Ernährungsweise für Sie passt, so passen Sie Ihre Ernährung an Ihre individuelle Stärke- und Zuckertoleranz an. Lassen Sie beides abends weg und bleiben Sie bei drei Mahlzeiten täglich. Morgens und mittags können Sie experimentieren: Wie viel Stärke und Zucker können Sie essen, ohne wieder zuzunehmen? Wenn Sie in dem Monat Ihres Experimentes nichts abgenommen haben, dann sind Sie entweder sehr schlank, oder Sie sollten mittags wie abends essen, weil Sie besonders stärke- und zuckersensibel sind.

Das Schöne an dieser Strategie ist, dass Sie im Prinzip alles essen können – nur eben nicht zu jeder Tageszeit, und vielleicht mehr oder weniger als die Menschen um Sie herum (hier ein letztes Grrr!). Das Ganze funktioniert übrigens auch dann, wenn Sie einmal eine Ausnahme machen. Insgesamt werden Sie merken, dass Sie Ihr Hunger zwischen den Mahlzeiten schnell verschwindet, wenn Sie wieder gelernt haben, zwischendurch aus Ihren Fettzellen zu snacken.

Schicken Sie mir eine Nachricht, wenn Sie die erste Jeans in einer kleineren Größe kaufen. Das ist ein wichtiger Moment… Aber es geht hier ausdrücklich nicht um die Bedienung des allgemeinen Schlankheitswahns: Es geht vielmehr darum, dass wir gesund und stark all die Dinge tun, die wir tun wollen!

Ich wollte als Laie genauer wissen, wie Fett- und Kohlehydratestoffwechsel in Zusammenhang mit Bewegung funktionieren und habe aus diesem Buch bei weitem am meisten gelernt: Gary Taubes (2011). Why We Get Fat. New York: Knopf.

Der Mann hat Recht, findet mein Körper.


09. April 2011

Mein neuer Salon: die Marktgespräche

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Damals in Berlin hatte ich einen Salon: Alle vier Wochen trafen sich in meinem Charlottenburger Wohnzimmer Menschen zum Austausch, die sich sonst nie begegnet wären. Jeder Termin hatte sein Thema. Es gab Zimmerausstellungen, Buchvorstellungen, Kammerkonzerte, Vorträge und Tango-Sessions.

Dann kam die Zeit in Japan, und ich verlegte mich auf Abendessen mit interessanten Menschen. Ein Konzept, das ich immer noch mag. Aber das richtige Salongefühl ist erst seit gestern wieder glücklich aufgetaucht. Seit gestern nämlich ist mein Büro Ort der “Marktgespräche”: An den Bonner Markt lade ich Menschen ein, die sich Gedanken machen – nur wenige, maximal zwölf sollen es sein. Und diese Menschen machen sich ihre Gedanken einen Abend lang gemeinsam.

Der gestrige Abend stand unter dem Thema Älter werden. Elf Frauen zwischen 40 und  60 sprachen über heikle und offene Fragen, die eine Freundin (Danke, liebe @frauenpower !) und ich vorbereitet hatten.  Es wurde ein langer, tiefer Abend, den wohl keine von uns so schnell vergessen wird.

Für die nächsten Marktgespräche habe ich schon Ideen: Humor in der Wissenschaft steht ganz oben auf der Liste. Dann wird es auf jeden Fall einen Abend speziell für leise Menschen und ihre Kommunikation geben: mein Lieblingsthema.

Wenn Sie eine Einladung bekommen,  liebe Leserin und lieber Leser: Bitte sagen Sie zu. Sie sind ganz persönlich gemeint,  eine(r) von zehn oder zwölf Personen. Oder haben Sie ein Thema für ein Marktgespräch? Dann freue ich mich über eine Nachricht…


21. März 2011

Wie können wir in Japan helfen?

Emotionale Erschütterung ist die eine Sache. Aktives Handeln die andere. Die Kunst: Das eine mit dem anderen sinnvoll zu verbinden – so dass sich etwas zum Besseren verändern kann.

Es gibt viele Arten, wie wir jetzt in Japan helfen können. In unserer Familie sind wir übereingekommen, dass wir möglichst schnell und möglichst konkret denen beistehen wollen, die jetzt ohne Dach und schutzlos in Notunterkünften leben.

Eine beeindruckende Aktion ist Shelterbox – bestens erklärt unter http://www.shelterbox.de

Mit den Boxen bekommen die Menschen im Norden Honshus genau das, was jetzt gerade zum Überleben wichtig ist. Spenden können Sie direkt auf der angegebenen Website – aber auch mit persönlichem Bezug: Die Frau @ApfelMuse (die engagierte Unternehmerin Andrea Juchem) hat mit Hilfe von Twitter und betterplace.org eine entsprechende Sammelaktion für Shelterbox gestartet:

http://de.betterplace.org/groups/ShelterBox2_Japan

Dorthin haben wir auch gespendet und lassen unsere guten Wünsche mit den Boxen in den Osten reisen…

Eine weitere Shelterbox-Aktion, die ich aus Twitter kenne, ist die von @mellcolm:

http://de.betterplace.org/groups/shelterbox_mellcolm_friends

Minasan gambare!


13. März 2011

Japanische Gedanken

Die Beziehung zu einem Land kann der Beziehung zu einem Menschen sehr ähneln. Wie wahr das ist, merke ich jetzt, nach der großen Katastrophe in Japan.

Drei Jahre haben wir in Japan verbracht. Unser Sohn wurde dort geboren. Freundschaften wurden dort geschlossen, unschätzbare Erinnerungen wurden geschaffen: Japan wurde zu einem Stück Heimat für uns. Nun, in dem großen Entsetzen, das uns vor den Fernseher, den PC und das Radio bannt, beginne ich zu verstehen, wie sehr Menschen an zerstörter Heimat leiden. Es tut selbst aus der Ferne weh.

Unsere japanischen Freunde sind, wie es aussieht, allesamt gesund -  und so unglaublich stark in dieser Krise. Nur wir sind leider sehr weit weg von ihnen…

Minasan, karada ni yoku ki o tsukete ne.


08. Februar 2011

Neuaufbruch: 3 kleine Dinge

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Nach meinem letzten Eintrag war es schwer, wieder einen Anlauf zu finden. Der Text steht gewichtiger da als alle anderen – und auch trauriger. Bis heute bekomme ich mails von Menschen, die ihn gelesen haben und die einen Bezug zu meiner Freundin und/oder zu mir haben. Herzlichen Dank dafür!

Mein eigenes Leben empfinde ich durch Ursulas Weggehen als Privileg. Die Zeit, die jeder Tag bringt, plane ich nicht wie früher einfach gut durch, sondern sehe sie als kostbare Ressource. Ich habe dieses Jahr mit drei Veränderungen begonnen:

Erstens trenne ich mich jeden Tag von einem Gegenstand. Es ist unglaublich, wie viel ungenutzter Kram sich ansammelt. Es ist auch unglaublich, wie leicht und froh es macht, wenn dieser Kram weg ist. Möglichkeiten zum Entsorgen gibt es reichlich: hauptsächlich all die Mülltrennungsgelegenheiten. Aber über vieles, was für mich überflüssig geworden ist, von der Kleidung bis zu Krimis, freuen sich andere Menschen.

Zweitens frage ich mich jeden Tag mindestens einmal: Was will ich jetzt am liebsten tun? Manchmal weiß ich keine Antwort. Manchmal kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als das, was ich gerade verrichte. Und manchmal bekomme ich erstaunliche Einsichten. In meinen letzten kamen Vanilletrüffeln, ein eisernes Jugendstil-Pferdchen und zwei neue Themen für meine “Marktgespräche” vor, zu denen ich jeweils wenige kluge, tolle Menschen in meine Räume einlade.

Drittens gehe ich sehr viel bewusster mit meinen Mitmenschen um und trainiere, auf eigene Bewertungen so weit wie möglich zu verzichten. Das kommt mir bei meiner Arbeit zugute: Ich stelle meinen Klienten und Seminarteilnehmern ganz neue Fragen. Was für ein Privileg, mit klugen Menschen zu arbeiten, die dann um echte Antworten ringen! Die ersten konkreten Folgen sind sichtbar (und hauen mich um!).

Alle drei Änderungen sehen beim Niederschreiben klein aus. Es ist umso erstaunlicher, was sie an Lebensqualität bringen.  So wild und blitzend wie Ursula kann und will ich nicht leben. Aber in Sachen Intensität sieht es gut aus…